Auftaktveranstaltung 19.01.2016

Auftaktveranstaltung 19.01.2016

"Unterstützung in Vielfalt"

 

Im Rahmen des Projektes „Interkulturelle Öffnung der Jugendhilfe“ lud das Bildungsteam am 19.01.2016 Förderer, Projekt-und Netzwerkpartner zu einer Auftaktveranstaltung in die Berliner Werkstatt der Kulturen ein. Die Veranstaltung diente dem Austausch und der Vernetzung aller beteiligten Akteur_innen. Fachliche Impulse zum Thema setzte mit einem Vortrag Frau Prof. Dr. Sabine Jungk. Gefördert wurde die Veranstaltung im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben" und durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF).

Nach einer kurzen Vorstellung des Projektträgers Bildungsteam Berlin-Brandenburg e.V. und des Projektes "Unterstützung in Vielfalt" selbst, kam es zu einem intensiven Austausch der anwesenden Fachkräfte der beteiligten Jugendämter, Netzwerkpartner_innen, Förderer_innen im Rahmen eines World-Cafés.

Dokumentation des World-Cafés

Drei große Tische, mit weißem Papier beklebt, um spontane Gedankenblitze und Highlights der Diskussion notieren zu können: Das World-Café ist eröffnet! Die Teilnehmenden der Auftaktveranstaltung gruppieren sich um den Tisch, dessen Frage sie spontan am meisten anspricht. In einer zweiten Runde haben sie dann die Gelegenheit noch zu einer weiteren Fragestellung in den Austausch mit den anderen Teilnehmenden zu gehen.

"Stellen Sie sich vor, der Prozess der interkulturellen Öffnung (IkÖ) ist optimal verlaufen. Was hat sich in drei  Jahren im Jugendamt alles verändert?"

Momentaufnahmen der Diskussion an Tisch 1: IkÖ als Thema ohne absehbares Ende, eher als ein fortlaufender Prozess mit dem Jugendamt als lernende Organisation, der auch auf andere Bereiche und Ämter abfärbt. Die Mitarbeiter_innen sind motivierter, ihre Haltung hat sich nachhaltig verändert – in Bezug auf Menschen mit Migrationshintergrund, als auch auf unterschiedliche Familienkonstellationen.

Das Bild vom Jugendamt hat sich geändert: vom „bösen Amt, das Kinder wegnimmt“ zur Anlaufstelle für Familien, die Beratung und Unterstützung brauchen. Menschen mit Migrationshintergrund kennen unser Angebot und wissen was das Jugendamt ist.

Haltung entsteht dabei auch durch Erfahrung, sie ist etwas individuelles – sie kann positiv oder negativ sein. Wenn der Prozess der interkulturellen Öffnung gut gelaufen ist, war die Erfahrung positiv und dementsprechend ist es die Haltung der Mitarbeiter_innen. Es gibt mehr Mitarbeiter_innen mit Migrationshintergrund und mit vielfältigeren Sprachkenntnissen, nicht nur im Jugendamt, sondern auch in anderen Ämtern.

Interkulturelles Arbeiten ist „normal“ geworden, die Kommunikation zwischen dem Jugendamt und potenziellen Nutzer_innen hat sich verbessert. Trotzdem gibt es immer wieder Schulungen, Fortbildungen für neue und alte  Mitarbeiter_innen. Eine Willkommenskultur ist etabliert worden, was sich auch an den Räumen zeigt. Es gab strukturelle Veränderungen:  Stellen sind attraktiver im Hinblick auf die Bezahlung und Fallbelastung und z.B. die Warteräume wurden neu gestaltet.

"Was bedeutet für Sie die interkulturelle Öffnung (IkÖ) im Jugendamt im Zusammenhang mit der aktuellen Situation bzgl. Flucht? Welche Chancen und Herausforderung ergeben sich dadurch?"

Momentaufnahmen der Diskussion an Tisch 2: Aktuelle Situation als Herausforderung und Chance zugleich, sowie als Auslöser, sich jetzt erst recht mit IkÖ auseinanderzusetzen. Oder können wir uns erst nach Ende der "Krise" mit IkÖ befassen? Unterschiedliche Vorerfahrungen mit Geflüchteten/ Migration in Berlin (z.B. Kreuzberg) und Brandenburg.

Herausforderungen zeigen sich u.a. durch Personalmangel und z.T. verängstigte Mitarbeitende. Das Personal und auch die Räumlichkeiten werden der aktuellen Situation nicht gerecht (z.B. keine Warteräume). Die Mitarbeitenden können die Erwartungen der Geflüchteten nicht erfüllen (Wohnung, Arbeit, Antworten auf rechtliche Fragen).

Was ist, wenn es keine Qualitätsstandards für die Arbeit z.B. mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten gibt? Fehlendes rassismuskritisches Mainstreaming bei den freien Trägern als Problem, d.h. es wurde rassistisches Verhalten von Mitarbeitenden beobachtet. Es gibt zwar Qualitätsstandards für freie Träger, aber nicht auf der Ebene des Verhaltens.

Chancen ergeben sich, wenn es mehr Mitarbeitende gibt, die bereits Erfahrung, Kompetenzen im Bereich Diversity, Vielfalt.... haben und  die die Situation als Chance sehen: Für gelingende Integration ist IkÖ grundlegend. Damit verbunden erscheint die Frage, wer wird künftig eingestellt? Welche Erfahrungen bringen die Mitarbeitenden mit? Hier gibt es unterschiedliche Erfahrungen und Ausgangssituationen in Berlin und Brandenburg.

Chancen aber auch durch z.B. Jugendliche, die unbegleitet gekommen sind. Sie sind sehr motiviert in Bezug auf Schule, Ausbildung; die freien Träger waren überrascht. Bezüglich der demographischen Entwicklung stellt sich die Frage: Wie können wir die Menschen im Landkreis halten? Wie lassen sich rechtlich unklare Situationen z.B. im Hinblick auf Ausbildung und Arbeit vereinfachen?

"Welche ersten Ideen haben wir konkret  zum Thema Interkulturelle Öffnung? Welche Unterstützung benötigen wir dafür?"

Momentaufnahmen der Diskussion an Tisch 3: In Brandenburg geht es uns darum, erst einmal in einem internen Prozess zu schauen, welche Möglichkeiten wir haben, welche Angebote es bereits gibt und wie wir unbegleitete minderjährige Geflüchtete und Familien mit Migrationshintergrund gut erreichen können.  Viele Mitarbeiter_innen wünschen sich Handlungssicherheit und  v.a. Checklisten für einzelne Kulturen. Dieser Wunsch nach Eindeutigkeit geht oft nach hinten los, Menschen sind verschieden. Das Herangehen mit der kulturellen Brille verstellt schnell den Blick auf die realen Sachverhalte. Mehrsprachige Infos sind auf jeden Fall sehr wichtig, aber auch das Personal sollte mehrsprachig sein, das würde auch Geld sparen.

Entscheidend erscheint die Anerkennung des Individuums und Respekt gegenüber seiner/ ihrer Biographie, die wir nicht oder nur zu kleinen Teilen kennen. Ziel müsste (trotz möglicher Kulturchecklisten) eine größtmögliche Offenheit bei gleichzeitiger Motivation der Mitarbeiter_Innen sein. Auch der Einsatz von kontinuierlichen Vertrauenspersonen weist in die richtige Richtung.

IkÖ müsste schon in der Ausbildung ein Pflichtthema sein: Interkulturelle Kompetenz müsste in FH/ Uni selbstverständliche Grundlage sein, wie das Thema „Gender“ auch. Die Frage ist: Wie verstehen wir uns als Land? Wir sind ein Einwanderungsland!

In Brandenburg fehlen viele Informationen: Bisher gab es nur einen Migrationsanteil von 2% - und die Rechten streuen massiv ihre Thesen. Daher ist Aufklärung immens wichtig, es müssen Angebote geschaffen werden, dabei sind v.a. Integration und Beruf wichtige Themen. Es gibt auch schon gute Strukturen, z.B. Unterstützung durch die RAA oder MOBIT.

Wir haben in Brandenburg ein großes Demographieproblem: Veränderung/ Zuwanderung sollten wir als Chance begreifen. „Wie kann der ländliche Raum entwickelt oder immerhin funktionsfähig gehalten werden?“ Es sollte versucht werden, für Geflüchtete kleinere Einrichtungen mit einer gleichmäßigeren Verteilung über die Regionen zu bilden.

Die berufliche Integration dauert bei uns lange, zu lange. Möglich wäre für viele Geflüchtete eine Arbeit als Selbständige, man bräuchte Kredite wie damals bei der Ich-AG, um das zu ermöglichen. Darüber wird bereits nachgedacht. Sprache ist dabei eine große Hürde; es wären Paten nötig. In MOL gab es im Kontext von Flucht schnelle Strukturveränderungen: Es wurde schnell begonnen, runde Tische zu machen, zu schauen „Wer muss noch ins Boot?“, Vernetzung voranzutreiben,...

Fachlicher Impuls

Zum Abschluss der Veranstaltung gab es dann einen fachlichen Impuls zum Thema von Frau Prof. Dr. Sabine Jungk, Professorin für interkulturelle Bildung und Erziehung an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin (KHSB). Den verschriftlichten Vortrag "Interkulturelle Öffnung als Qualitätsmerkmal in der Jugendhilfe" können Sie sich hier aufrufen:

Vortrag Jungk (PDF)

Bildergalerie Auftaktveranstaltung

Dieses Projekt wird aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds kofinanziert.






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